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17/05: Digital oder Okkult ???

Im Riichi Mahjong gibt es zwei verschiedene Philosophien. Digital ist die mathematische in der man sich Statistiken und Wahrscheinlichkeiten zu nutzen macht. Okkult hingegen bezeichnet den Glauben an Glück, welcher im japanischen „nagare“ oder „tsuki“ genannt wird. Es gibt für diese Wörter aber auch eine andere Übersetzung die ich sehr interessant finde: die Gezeiten. Die Gezeiten stehen für Ebbe und Flut welche einen sehr schönen Vergleich mit Mahjong bieten. Manchmal hat man Glück und alles funktioniert und manchmal hat man Pech und gar nichts klappt. Ein stetiges Auf und Ab.

Das hat mich zu der Frage veranlasst, was für eine Philosophie verfolgt ihr? Glück ist ein Faktor des Spiel den man nicht verleugnen kann, aber wie weit beeinflusst er eurer Spiel?

Zuerst einmal zurück zu japanischen Spielern. Ältere professionelle Spieler tendieren dazu der okkulten Philosophie zu folgen. Sie machen ihre Entscheidungen von ihrem derzeitigen Glückslevel abhängig. Wenn sie also einen Lauf haben, nutzen sie ihr Glück um ihre weiteren Strategien zu plan. Sie deklarieren Riichi mit schlechten waits wie 4+6 auf die 5, weil sie glauben, dass sie zurzeit „nagare“ auf ihrer Seite haben und diese 5 jetzt kommen wird!

Im krassen Gegensatz dazu stehen die „jungen Wilden“, die nur ein müdes Lächeln für das „tsuki“ der Alten übrig haben. Sie basieren ihre Entscheidung anhand von Wahrscheinlichkeiten und sind der Meinung das sich Glück auf die Dauer ausgleicht.

Wieso glauben die Alten denn nun an das Glück? Ist es die Unfähigkeit zur Wahrscheinlichkeitsberechnung, eine Vorliebe für das Unbekannte oder doch die Wahrung der Tradition?

Vielleicht sollten wir einen kurzen Blick in die Welt des Pokers wagen. Professionelle Spieler benutzen Wahrscheinlichkeiten und Mathematik und sind der Ansicht Glück gleiche sich aus. Sie verdienen damit eine Menge Geld, also müssen sie wohl Recht haben. Rein logisch betrachtet müsste dem jeder zustimmen. Ist also digital besser als okkult? Aber warum hat dann die okkulte Philosophie so viele Anhänger?

Lasst uns mal ein Beispiel betrachten:
Die Glücksfee ist uns hold und alles was wir anpacken funktioniert. Wir sind in Führung und machen einen kleinen Fehler von dem ein Mitspieler profitiert. Wir sagen zu uns selbst: „Naja, nur ein kleiner Fehler. Nicht so schlimm das ich 2000 Punkte bezahlen musste, meine Führung ist immer noch komfortabel“. Aber in diesem Moment passiert ETWAS. Während wir versuchen die nächste Hand zu gewinnen wird es noch schlimmer. Die Talfahrt beginnt.
In diesem Beispiel, was bestimmt schon jeder kennen lernen durfte, ist das ETWAS „tsuki“. Wegen dem Fehler hat man sein Glück verloren. Also könnten wir daraus schließen, es gibt ein „besonderes“ Glück im Mahjong, dass, wenn es verloren geht, uns zum Verlieren verdammt?

Wenn wir aber unsere Entscheidungen Fortuna überlassen, geht es mal gut, manchmal aber auch nicht. Was sollen wir also machen? Die Antwort, mit Wahrscheinlichkeiten spielen! Okay, je höher die Wahrscheinlichkeit, je höher die Chance den fehlenden Stein zu bekommen. Dann wirft man anhand dieser Entscheidung einen Stein ab und zieht den Selben gleich noch zweimal. Wie hoch ist denn die Wahrscheinlichkeit dafür??? Es kann aber passieren…



Meiner Meinung nach spiele ich weder okkult noch digital. Vielleicht sollte ich mich also als „digikult“ bezeichen. Ich versuche mein „nagare“ zu nutzen wenn sich die Chance bietet, versuche aber nicht auf Gedeih und Verderb es zurück zu bekommen wenn ich es verliere. Also schalte ich wieder zurück in den guten alten Wahrscheinlichkeitsmodus und versuche das Spiel so gut wie möglich zu beenden.

Mein Resümee lautet also: Höre auf das Herz der Steine, aber vergiss nicht auf deinen Verstand zu hören!!!

Also was für eine Art Spieler bist du?

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