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14/01: Interview mit Uwe Martens

Uwe Martens ist Präsident der Deutschen Mahjongg Liga und der European Mahjong Association. Er erzähl uns ein wenig über die Aufgaben und Tätigkeiten die diese Ämter begleiten und was uns in Zukunft, hoffentlich, hier in Europa in Sachen Mahjong so erwarten wird.



Wie alt bist du?

Jahrgang 1959.


Was für einen Job hast du?

Ich bin Diakon und arbeite im Bereich Jugendarbeit in der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg, zz. bin ich dort in der Mitarbeitervertretung.


Das hört sich nach einem stressigen Job an. Bleibt da eigentlich
noch Zeit für irgendetwas anderes außer Mahjong? Denn als
Vorsitzender der beiden Vereine geht doch bestimmt auch jede Menge
Zeit drauf.

Der Job ist vielfältig und sicher auch stressig, aber sicher nicht
mehr als viele andere Berufe. Da ich auch nur 40 Stunden in der Woche
arbeite, bleibt noch Zeit für anderes - neben den Mahjong-Aktivitäten:
Radfahren, Kommunalpolitik, Musik hauptsächlich.


Wie lange spielst du schon Riichi Mahjong?

Eigentlich gar nicht. Ich spiele seit 20 Jahren die klassische chinesische Variante und seit ca. 6 Jahren Mahjong Competition Rules. Riichi ist nicht "meins" - ich kenne es seit ca. 10 Jahren, aber spiele es normalerweise nicht. 


Könntest du bitte näher darauf eingehen warum Riichi nicht so deins
ist? Ich persönlich spiele nur Riichi und mir sagen die anderen
Varianten nicht so zu.

Das kann ich eigentlich nicht rational begründen, es ist mehr ein
Bauchgefühl. Hängt vielleicht damit zusammen, dass ich mich intensiver
mit chinesischen Spielweisen befasst habe, bevor ich Riichi
kennen gelernt habe - sonst wäre es vielleicht umgekehrt mit meinen
Vorlieben. Vielleicht ist es das Übergewicht des strategischen Spiels
bei der Riichi-Variante. Möglicherweise erinnert es mich zu sehr an
Schach - und Schach spiele ich auch nicht gern.


Wie oft spielst du Riichi oder Mahjong überhaupt?

In der Regel 1x in der Woche, klassisch und MCR.


Wie kam es das du Vorsitzender des deutschen und europäischen Verbandes geworden bist?

Ich habe im Jahr 2002 die Gründung der Deutschen Mah-Jongg Liga auf den Weg gebracht, vermutlich liegt es daran, dass ich zum Präsidenten gewählt wurde und dieses Amt bis heute ausübe.

Bei der EMA war es etwas anders: Da gehörte Deutschland zunächst zu den Entwicklungsländern. Da wir in Deutschland aber frühzeitig die internationale Vernetzung verfolgt haben (dies ist auch einer der Vereinszwecke), habe ich lange vor der Gründung der EMA unser Interesse zur Mitarbeit erklärt. Der Impuls zur Gründung der EMA kam aus Holland und Dänemark. Als ich gefragt wurde, ob ich den Vorsitz der EMA übernehmen könnte, habe ich mich gern dazu bereit erklärt.


Was genau sind denn Aufgaben als Vorsitzender? Also wie kann man
sich den "Arbeitstag" eines Vorsitzenden vorstellen?

Als Präsident bin in gemeinsam mit der Vizepräsidentin für die
Vorbereitung und Begleitung aller Beschlussfassungen zwischen den
Vollversammlungen zuständig. Gleichzeitig halte ich den Kontakt zur
Weltorganisation, unterstütze "politisch" die Vorbereitungen zur
Europameisterschaft 2009 in Österreich (MCR) und zur Weltmeisterschaft
2010 in Holland (auch MCR). Der Arbeitsalltag besteht hauptsächlich
darin, Kontakt zu einzelnen nationalen Organisationen und zum EMA-
Vorstand zu halten und eben die ganze Orga-Arbiet zu leisten. Das geht
meistens per Mail oder manchmal auch telefonisch, durch das Erarbeiten
von Beschlussvorschlägen und Diskussionsvorlagen etc.


Was für Aufgaben hat die EMA?

Wesentliche Ziele sind die Verbreitung des Mahjong-Spiels in Europa, die Förderung der Gründung von nationalen Organisationen und die Vernetzung der Verbände in Europa und weltweit; außerdem wollen wir über die Standardisierung von Regeln und Turnierabläufen die Durchführung von internationalen Turnieren fördern. Und natürlich geht es uns um Freundschaft und Völkerverständigung, also auch um kulturelle Fragen. 


Das hört sich alles sehr gut an, aber wie finanziert sich die EMA
denn überhaupt? Oder läuft das alles ehrenamtlich und die Kosten
werden auch noch aus eigener Tasche getragen?

Die EMA ist eine Organisation ohne eigenen Haushalt. Alle arbeiten
ehrenamtlich und stecken auch viel eigenes Geld rein - z.B. für Reisen
etc. Aber das unterscheidet Mahjong nicht unbedingt von anderen
Hobbies, wo es häufig auch ein (finanzielles Engagement) von
Funktionären und Aktiven gibt.


Wie kam es dazu das Riichi in das Programm der EMA aufgenommen wurde, weil es in Europa ja nicht sonderlich verbreitet ist? Mal mit Ausnahme von Holland und Dänemark.

Auch wenn zunächst der Schwerpunkt der Arbeit bei den Competition Rules lag, hat die EMA doch immer das Ziel verfolgt, auch andere Spielweisen zu fördern und zu verbreiten. Da es im Riichi die größten Fortschritte bei der Vereinheitlichung der Regeln gab und es eine nennenswerte Anzahl von Spielern und Interessierten gibt, zudem die Riichi-Spielweise interessante Kontakte zu Japan ermöglicht (mehr als MCR es gegenwärtig kann), lag es nahe, hier einen nächsten Schwerpunkt der EMA zu setzen.


In wie fern sind Kontakte zu Japan interessant? Eigentlich sollten
man doch meinen, dass durch MCR Kontakte nach China (das
Herkunftsland) interessanter sein sollten.

Japan ist eben auch eine große Mahjong-Nation, und es gibt dort auch
viele MCR-Spieler. Insofern wäre eine EMA ohne Kontakte sowohl nach
China als auch nach Japan nicht gut aufgestellt.


Wie siehst du die Zukunft von Riichi hier in Europa und eventuell im Rest der Welt? Wird es bald Weltmeisterschaften oder der Gleichen geben? (Es gab ja schon wenigstens bei der WSoM einen Riichi Nebenevent)

Ich gehe davon aus, dass dem Riichi-Spiel eine gute Zukunft bevorsteht. Schließlich gibt es viele Spieler weltweit, die an einer internationalen Wettkampfszene interessiert sind. Ob Riichi das Zeug hat, die Bedeutung der MCR als gegenwärtig wichtigste internationale Standardregel zu relativieren oder MCR gar zu überholen, wird die Zukunft zeigen. Weltmeisterschaften wird es sicherlich geben, und ich wünsche mir ein freundliches Nebeneinander und Miteinander dieser beiden Regeln. Wir dürfen nicht vergessen, dass es weitere Regeln gibt, die eine hohe Verbreitung haben, und das weitere, eher kommerzielle Organisationen versuchen, weltweit Bedeutung zu erlangen. Wir werden sehen, was die Zukunft bringt und die europäischen Interessen kreativ einbringen. Der Weltverband WMO mit Sitz in China, in dem die EMA auch eine entscheidende Rolle spielt, konzentriert sich aber zunächst auf die MCR.


In dem Zusammenhang mit kommerziellen Organisationen hatte ich mal
gelesen, das die EMA sich davon distanziert. Du sagtest, das es nicht
im Sinne der EMA wäre hoch dotierte Turniere auszutragen, so wie die
WSoM. Aber ist das nicht grade ein Anreiz für andere dieses Spiel zu
lernen und somit den Bekanntheitsgrad von Mahjong zu steigern?

Die Mehrheit der organisierten europäischen Spieler lehnt die
hoch dotierten Turniere ab. Hier unterscheidet sich Mahjong z.B. auch
von der Pokerszene. Sicherlich wird es zukünftig auch eine
kommerzielle Ausrichtung geben (in Europa vermutlich nicht so
spektakulär), und das mag dann auch die EMA betreffen. Aber es ist
nicht unser vorrangiges Ziel.


Es gibt im internationalen Bereich bereits kommerzielle Turniere, wird die EMA in Zukunft auch welche austragen, wie z.B Qualifier für die WSoM?

Es hat diesbezüglich schon in der Vergangenheit Überlegungen von WSoM
gegeben, mit der EMA zu kooperieren. Die Bedingungen einer solchen
Kooperation sind aber genau zu prüfen. Wir haben als EMA auch was zu
bieten. Wir müssen auch von einer Kooperation profitieren, sonst lohnt
sich das für uns nicht wirklich.


Des weiteren habe ich in Almere erfahren, dass es dieses Jahr
eine Riichi German Open geben soll und das die Riichi Europameisterschaft in Hannover bleiben soll. Ist das schon beschlossene Sache?

Deutsche Meisterschaft in 2009 in Hannover, ja (im Mai),
Europameisterschaft in 2010 in Hannover vielleicht - darüber wird die
EMA im Sommer entscheiden.




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