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24/08: Interview mit Jenn Barr

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Jenn Barr ist 25 Jahre und Mahjong Profi in Japan. Sie ist gebürtige Amerikanerin und betreibt zusammen mit Garthe Nelson die Internetseite Reachmahjong (Link auf dieser Seite).


Riichi-Mahjong.de: Wieso hast du die USA verlassen? Und wie alt warst du da?

Jenn Barr: Als ich 18 war bin ich nach Japan auf die Schule, ich war 6 Monate in Osaka und 6 Monate in Honululu. Dann bin ich nach Tokyo gewechselt und seitdem dort.


RM: Konntest du japanisch als du nach Osaka kamst?

JB: Ich hab mit 13 angefangen es zu lernen, kam also zurecht, das war aber auch schon alles.


RM: Wie kamst du dazu diese Sprache zu lernen?

JB: Ein Typ den ich toll fand lernte es, also wollte ich unbedingt in diesen Kurs.




RM: Wann hast du mit Riichi Mahjong angefangen und wo hast du es gelernt?

JB: Ich hab mir in der Uni ein Buch über Mahjong gekauft (Sophia University von 2002-2005). Dann hab ich mir Karteikarten gemacht mit den Händen vorne drauf und den Erklärungen hinten. Diese hab ich anschließend auswendig gelernt.


RM: Und wo hast du dann das erste Mal gespielt? Im Jansou (japanische Mahjong Spielhalle)?

JB: Ich glaube schon, ein paar Freunde haben mich mitgenommen.


RM: Wann war das ungefähr?

JB: 2004


RM: Du spielst also seit 4 Jahren und seit drei Jahren als Pro?

JB: Mitte 2004 hab ich angefangen und Anfang 2006 wurde ich Profi.


RM: Du hast doch auch studiert und hättest was Gescheites machen können, warum also Riichi?

JB: Ich wollte rund um die Uhr Mahjong spielen und das war eine Möglichkeit das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden.


RM: Was musstest du machen um ein Spieler in der JPML (japanische professionelle Mahjong Liga) zu werden?

JB: Ikue Watanabe (Spielerin in der JPML) hat mir den Vorschlag unterbreitet beizutreten.


RM: Kanntest du Ikue schon vorher?

JB: Ich war in einem Mahjong Club in der Uni und ein Mitglied war Ikues Bruder.


RM: Du hast dann also mit ihr über JPML gesprochen und gedacht, das ist es was ich machen will?

JB: Sie dachte das wäre was für mich und hat mich dann Herr Fujiwara und Herr Moriyama vorgestellt, die mich anschließend trainiert haben.


RM: Warst du zu dem Zeitpunkt schon so gut oder war das eher ein Bonus für die gutausehende Ausländerin?

JB: Sie dachten ich wäre gut genug, schlau genug und ich hätte das Auftreten dafür.


RM: Yukiko Izumi hat in ihrem Interview auf eurer Seite gesagt das es einen Aufnahmetest für die Liga gibt, was muss man da machen?

JB: Es gibt einen schriftlichen Teil und ein Tunier.


RM: Worüber geht der schriftliche Teil?

JB: Man muss Punkte berechnen, sagen welche Steine zum Sieg fehlen, wieviele Steine zum Ausmachen fehlen usw. und man lernt wie man ein Spiel notiert.


RM: Allo bekommt man Bespiele und muss dann sagen wieviel die Hand wert ist und so was?

JB: Ja.


RM: Und mit Spiel notieren meinst du wie man eine komplette Partie in Zeichen aufschreibt, so wie Stenographie?

JB: Genau. Eine komplette Partie mit allen abgeworfenen Steinen und so.


RM: Kanntest du zu dieser Zeit Garthe schon?

JB: Ja, wir kennen uns seit 2004. Kurz nachdem ich die Regeln gelernt hatte.


RM: Und wie habt ihr euch kennengelernt? Durch Mahjong?

JB: Wir haben uns in einer TV Show kennengelernt weil einer von denen sagte das er auch Riichi spielt.


RM: Eine TV Show? Oh ich hab ja ganz vergessen das ihr auch Schauspieler seit.

JB: Genau.


RM: Habt ihr euch zusammen entschlossen Pros zu werden oder war das jeder für sich?

JB: Ich hatte mich schon dazu entschlossen und hab ihn gedrängt auch mitzumachen.


RM: Wie ist Mahjong in Japan strukturiert, wie viele Ligen gibt es neben der JPML?

JB: Es müsste so 5 große geben, aber JPML ist die größte und erfolgreicheste von ihnen.


RM: Wie hat sich dein Spiel in der Zwischenzeit entwickelt?

JB: Ich hab am Anfang immer aggressiv gespielt, also jede Hand. Dann hab ich eine Weile immer meine Hände weggeworfen. Ich bin nun ausgeglichener, aber eher wieder zum agressiven zurück. Ich suche aber noch die perfekte Balance.


RM: Wie verdient ihr eigentlich euer Geld, da die Tuniere und Ligen in Japan nicht grade hoch dotiert sind, oder?

JB: Garthe und ich sind in MFC (Mahjong Fight Club ein Computerspiel von Konami) dadurch bekommen wir für jedes verkaufte Spiel Anteile ausgeschüttet. Ansonsten Zeitarbeit und so, mit Preisgeldern verdient man kaum Geld, das ist etwas das wir gerne ändern möchten.


RM: Ich habe in einem Interview gelesen das einige Pros auch in Jansous (Spielhallen) arbeiten, machst du so etwas auch?

JB: Ich wurde mal als Gastspieler eingeladen um dort zu spielen, aber ich hab noch nie fest in einem gearbeitet, allerdings würde mich das sehr interessieren, dafür fehlt mir aber einfach die Zeit im Moment.


RM: Wie sieht ein typischer Tag im Leben der Jenn Barr aus?

JB: Aufstehen und Computer anmachen. 3-6 Stunden online arbeiten und dann zocken gehen. Manchmal arbeite ich auch den ganzen Tag oder spiele den ganzen Tag.


RM: An was arbeitest du genau?

JB: Sachen für die Website, die WSOM (World Series of Mahjong), ich schreibe Pokerblogs und an meinem Buch.


RM: Wie weit bist du denn mit deinem Buch?

JB: Es ist eigentlich fertig, zur Zeit macht der Verleger seinen Job und ich arbeite am Cover. Es wird wohl anfang nächsten Jahres erscheinen?


RM: Und wo, in Japan oder den USA?

JB: In den USA und Kanada, aber wir arbeiten auch daran es noch in anderen Ländern zu veröffentlichen.


RM: Wirst du es auch über deinen Onlineshop (Mahjongmart) verkaufen?

JB: Ja, aber es wird wohl günstiger es über Amazon zu bestellen, wegen der Transportkosten.


RM: Was sind deine Pläne nach der WSOM (Jenn und Garthe haben es geschafft einen Riichi Event in das Tunier zu integrieren) um Riichi zum nächsten Level zu bringen?

JB: Nach der WSOM hab ich erstmal wieder bisschen Luft, aber ich hoffe ich werde noch in mehreren Turnieren involviert sein, besonders in hoch dotierten. Wir arbeiten an einem neuen Design für unsere Seite extra für die World Series und danach wir es dann noch viel Arbeit damit geben.


RM: Wie denkst du wird die Zukunft hier in Europa aussehen, nachdem du die EM mitverfolgt hast?

JB: Es scheint als würde sich Riichi in Europa so langsam breit machen. Die Jungs von Kasu (ein österreichisches Forum) sind im Moment sehr aktiv dabei Tuniere auszurichten. Mehrere Leute machen Seiten wie deine, ich sehe da einen Boom auf uns zu kommen. Das Unglaubliche aber ist, das alles in Eigenregie entsteht ohne das sich eine große Organisation darum kümmert.


RM: Du hast mal gesagt das sich etwas in den USA tun wird? Wollt ihr eine Meisterschaft organisieren?

JB: So etwas ist nicht in Planung, wäre aber in Zukunft nicht schlecht, nun müssen wir uns erstmal auf das Wesentliche konzentrieren und darauf das die Community größer wird.


RM: Wie sieht es denn mit Riichi Spielern in den USA aus?

JB: Die meisten unserer Leser kommen aus den USA. Es gibt viele interessierte junge Menschen, aber ein Großteil von allen spielt American-Style Mahjong. CO (chinese Official) ist dort aber auch nicht sonderlich groß.


Vielen Dank für das Interview und die damit verbunde Zeit, ich wünsche dir noch alles Gute für die Zukunft!!!

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